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Gelebte indianische Kultur auf der Diedelsheimer Höhe Auch Geronimos Urenkel kam zum Museumsfest Bretten. Der Anblick eher furchteinflößend, die Töne eher fremd, so wirkt Jim "Elk Blue Boy" Poitras zu Beginn seines Tanzes. Mit seinem überdimensionalen Federschmuck auf dem Kopf, den zahlreichen bunten Symbolen auf seinem Gewand und den scheinbar keinem Plan folgenden Tanzschritten will der kanadische Gree-Metis alles andere als Furcht einflößen. Ein indianisches Pow-Wow ist mehr als ein Tanz, es drückt die Bitte um eine bessere Welt und Heilung für die Beladenen und Kranken aus. Solche Sachen lernt man in keinem Western, wohl aber im Brettener Indianermuseum von Thomas Merbt. Am Wochenende fand hier ein zweitägiges Museumsfest statt. Neben den rund 2500 Ausstellungsstücken gab es zahlreiche Vorführungen zur indianischen Kultur. Diese den Menschen näher zu bringen hat sich der gebürtige Sache Merbt auf die Fahnen geschrieben. Seine Exponate stammen aus den verschiedensten indianschen Kulturen aus Nord-, Mittel- und Südamerika. Gelebte Kultur ist es beispielsweise, wenn Merbt oder "Turned Apple" (umgedrehter Apfel), wie ihn seine Stammesbrüder der Florida Creek Indianer nennen, im Tipi sechs Möglichkeiten des Feuermachens demonstriert. Die Wolle der Silberdistel, frisch gepflückt auf der Diedelsheimer Höhe, legt er in eine Muschelschale, kniet hin und klemmt diese zwischen die Schenkel. Kräftig haut er dann zwei Steine, Magnetiden, aneinander. Die Funken fallen auf die Wolle. Jetzt der schwierigste Part, das Pusten. Pustet man zu wenig, geht das Feuer wieder aus. Pustet man zu viel, fliegt die Wolle weg und dafür steht die Hose in Flammen. Feuer und Flammen waren die Besucher auch, als sie die Geschichte des Schirmherrn der Veranstaltung hörten. Henry Reyna erfuhr erst vor sechs Jahren, dass er der Urenkel des berühmten Häuptlings Geronimo ist. Der in Heilbronn lebende und praktizierende Sozialwissenschaftler und Psychotherapeut habe sich lange nicht für seine Familiengechichte interessiert. Seine Mutter habe ihm immer erzählt, sein Erzeuger sei Mexikaner gewesen. 1996 machte er sich dann auf, diesen zu finden. Zwar fand er ihn, aber erst nach drei Jahren brach der Vater sein Schweigen und offenbarte seine Herkunft. "Ein Nachfahre Geronimos? Der spinnt", erinnert er sich noch an seine erste Reaktion. Nach weiter Recherchen wurde daraus Gewissheit und wie er jetzt weiß, wollte ihn sein Vater schützen, da er der letzte männliche Nachfahre ist. Henry Reyna erlebte am Wochenende eine weitere "Familienzusammenführung". Guido Brunner war aus Philippsburg gekommen, um "den großen Besuch zu sehen" und vor allem, um ihm seinen dreijährigen Sprössling namens Geronimo vorzustellen. "Das war der einzige Name, auf den sich meine Frau und ich verständigen konnte", erklärte der Westernfan die Namensgebung. Indianische Geschichte ist zuweilen auch deutsche Geschichte. So ist im Museum beispielsweise die Gürtelschließe von Oberstleutnant Custer ausgestellt, der mit siener siebten Kavallerie in der Schlacht am Little Big Horn von einem anderen großen Häuptling, Sitting Bull, geschlagen wurde. Und eben dieser Custer hieß eigentlich Küster und stammt aus Frankfurt am Main. Gerade als Thomas Merbt dabei ist, diese Geschichte zu erzählen, zupft ein kleines Mädchen an seinem Ärmel und sagt: "Du, ich mag die Indianer." Michael Hölle |
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